Das wundersame Leben von

Fuchs und Schlange

Kapitel 3

Hektische Rufe, dann Schritte. Mehr Stimmen, unter ihnen auch die von Fuchs und Schlange. Lucy konnte zwar nicht verstehen, was sie sagten, aber sie konnte es sich vorstellen. Bestimmt schilderten sie den Ärzten, was mit ihr passiert war. Sie spürte, wie sie sich bewegte. Das Atmen fiel ihr schwer. Dies war ihr bisher schlimmster Anfall. Jetzt konnte sie Fuchs etwas mehr verstehen. Fuchs, ihr Vater. War es wirklich wahr? Hatte Schlange wirklich die Wahrheit gesagt? Jedenfalls würde es erklären, woher er ihren Namen und ihre Adresse wusste, warum er ausgerechnet ihre Hilfe brauchte und warum sie ihm überhaupt vertraute. Jemand steckte ihr etwas in den Arm, doch der kurze Schmerz war Lucy egal. In ein paar Minuten wäre sie sowieso tot. Sie würde nie die Wahrheit über Fuchs erfahren. Sie würde Fuchs und Schlange nie bei ihrem Projekt helfen können. Sie würde nie wieder ein Wort sagen, nie wieder eines hören, nie wieder das Licht der Sonne sehen, nie wieder… Jemand drückte ihr eine Atemmaske auf ihr Gesicht. Ihre Lungen füllten sich wieder mit Luft und Lucy merkte das ihr Herz wieder zu schlagen begann. Langsam rückte sie wieder in die Realität zurück. Sie lag in einem Zimmer. Das Ding in ihrem Arm war entfernt worden, genau wie das Atemgerät. Außer ihr waren noch zwei weitere Personen im Zimmer. Es waren Fuchs und Schlange, die sich aufgeregt miteinander unterhielten. „Schlange! Warum musstest du ihr sagen, dass ich ihr Vater bin? Ich hätte es ihr irgendwann schon beigebracht, aber denkst du wirklich, dass ein Krankenhaus der richtige Ort für ein Geständnis ist? Sie war so geschockt, dass sie wieder einen Anfall bekommen hat, und dieser war noch schlimmer als der erste! Ich hatte ja schon beim ersten Mal meine Zweifel, aber jetzt bin ich mir beinahe sicher, dass wir sie verlieren!“ Fuchs schrie nun. „Wir werden es nie schaffen das Portal zu reparieren. Du wirst es nie zurück in deine Zeit schaffen, hörst du? Du wirst für immer hier, in dieser Zeit, festsitzen! Bis zu deinem Tod!“ Schlange wollte zwar etwas erwidern, ließ es dann aber doch. Er verließ den Raum. Fuchs lief wieder auf und ab. Obwohl Lucy es nie erwartet hätte, gingen ihr Atem und ihr Puls wieder normal. Fuchs blieb ungefähr in der Mitte des Raumes stehen. Sein warmer Blick ruhte auf Lucy. „Warum habe ich es ihr nicht erzählt? Schlange hat mir zehn Jahre lang gepredigt, dass ich es ihr irgendwann sagen müsse. Zehn ganze Jahre lang hat er versucht, meine Tochter vor einem Todesschock zu bewahren. Ich hatte genug Zeit, sie und damit auch ihn zu retten, aber ich war ja so ein Feigling, der sich nicht mal traut, seiner eigenen Tochter in die Augen zu schauen und ihr die Wahrheit zu sagen.“, flüsterte er. Er trat an Lucys Bett heran und strich ihr die Haare aus der Stirn. „Ich bin ein schrecklicher Vater…“, murmelte er. Das warst du vielleicht die letzten 10 Jahre lang, doch im Moment kann ich mir keinen besseren vorstellen, dachte Lucy. „Nein…“ Sie zwang sich dieses Wort zu sagen und die Augen zu öffnen, um ihrem Vater ins Gesicht blicken zu können. „Findest du wirklich, Lucy?“, fragte Fuchs. Lucy nickte kaum merklich. Fuchs strich ihr sanft über die Wange. Was ist mit Schlange? Wo ist er? Wie sieht er aus? Ist er wirklich ein Zeitreisender? Wollte Lucy fragen, doch sie war so schwach, dass sie nur ein Wort über die Lippen brachte: „Schlange“. Fuchs verstand sofort. „Hast du gehört, was wir besprochen haben?“ Lucy nickte. Er wandte das Gesicht ab. „Es tut mir leid, schon wieder die Hoffnung aufgegeben zu haben – aber vielleicht war dies der einzige Weg ihn daran zu erinnern, dass nur du mir helfen kannst, sein Leben zu retten.“