Das wundersame Leben von 

Fuchs und Schlange

Kapitel 2 

Ein seltsamer Geruch stieg Lucy in die Nase, dennoch ließ sie die Augen geschlossen. „Lucy!“ Die Stimme des Fremden schien so fern. „Lucy! Bitte! Wach auf!“ Er hörte sich verzweifelt an. „Ist sie noch nicht aufgewacht?“, fragte eine schlängelnde Stimme, die Lucy noch nie gehört hatte. „Schlange?! Was tust du hier? Ich dachte du verlässt das Labor nie!“ Schlange lachte leise. „Nur wenn es wichtig ist.“ Bin ich ihm etwa wichtig? dachte Lucy. „Danke, dass du gekommen bist. Der Arzt sagte zwar, sie würde bald aufwachen, aber bei ihrem momentanen Zustand…“ Lucy erschrak, hatte der Fremde etwa schon die Hoffnung aufgegeben? „Nun komm schon, Fuchs. Ihr beide habt diese Anfälle doch schon oft überlebt. Warum sollte das heute anders sein?“, fragte Schlange „Weil ich es ihr noch nicht gesagt habe…“, murmelte der Fremde namens Fuchs. Jemand seufzte und verließ den Raum, vermutlich Schlange. Die verbliebene Person begann zu schluchzen. „Bitte, Lucy, wach auf!“, flüsterte Fuchs mit tränenerstickter Stimme. Er hat Recht, ich sollte aufwachen. dachte Lucy, doch sie konnte sich nicht bewegen. Los! Steh auf! Beweg dich! Befahl sie ihrem Körper, aber nichts passierte. Ich lebe! Bitte gib die Hoffnung nicht auf. Bald kann ich mich wieder bewegen und dann helfe ich dir. Ich lebe, Fuchs!, rief sie ihm im Stillen zu, doch er konnte sie nicht hören. Lucy hörte, wie Fuchs aufstand und mit schlurfenden Schritten durch den Raum lief. Nach einer Weile seufzte er und bewegte sich dorthin, wo Lucy die Tür vermutete. Nein! Bleib bei mir! Ich lebe! Gib mich nicht auf, Fuchs! schrie sie in Gedanken – und zu ihrem größten Erstaunen stoppten Fuchs‘ Schritte. „Sie lebt…“, erst wisperte er diese Worte nur, dann wurde er immer lauter, bis er sie schließlich auf den Flur hinausschrie. Er eilte an Lucys Bett. „Wie geht es dir?“, fragte er zärtlich. „Fuchs“, das war das einzige, was sie über die Lippen brachte. „Keine Sorge, ich bin hier“, flüsterte er. Sie öffnete die Augen und sah ihm ins Gesicht. In seinen goldenen Augen schimmerten Tränen. Die dunkelblonden Locken kleben an seiner Stirn. Lucy hob die Hand, um sie wegzustreichen, doch ein stechender Schmerz durchfuhr sie und sie ließ den Arm wieder sinken. „Spar deine Kräfte, meine Kleine. Wie geht es dir?“, fragte Fuchs wieder. „Diesmal war es schlimmer als sonst. Ich habe mich noch nie so tot gefühlt.“ Ihr ging es langsam besser. Fuchs lachte leise. „Ich weiß wie sich sowas anfühlt. Bei mir ist es jedes Mal so schlimm.“ Jemand öffnete die Tür. Lucy konnte nicht sehen, wer es war, aber seine Schlangen ähnliche Stimme verriet ihn. „Ist deine Tochter schon aufgewacht?“, fragte er. Lucy riss ungläubig die Augen auf. Fuchs drehte sich um und starrte Schlange an. „Ich habe es ihr noch nicht erzählt!“ Schlange sah ihn nur fassungslos an. Er sagte irgendetwas. Fuchs ignorierte ihn und wandte sich wieder Lucy zu. Auch er sagte etwas, doch Lucy konnte ihn nicht hören. Sie war schon wieder so schrecklich fern gerückt. Sie wollte doch noch so vieles sagen, in ihrem Kopf schwirrten unzählige Fragen, aber sie konnte nichts mehr tun, denn die Welt verschwamm wieder vor ihren Augen, bis sie schließlich ganz verschwand.