Das wundersame Leben von

Fuchs und Schlange

Kapitel 12

 

Lucy stiegen Tränen in die Augen. Das Zimmer, in dem Schlange eigentlich liegen sollte war leer. Ist er tot?, schoss es ihr durch den Kopf, doch sie schüttelte den Gedanken ab. Es konnte einfach nicht sein. Fuchs schien ihre Gedanken zu kennen. "Er ist noch am Leben... Dieses Zimmer... es war nie belegt. Er war nie hier..." Lucy wischte sich die Tränen aus den Augen. "Was?", fragte sie verwirrt. "Er war nie krank...", murmelte Fuchs nur. "Aber ich dachte er wäre...", fing Lucy an, aber Fuchs achtete nicht weiter auf sie. Er öffnete das Fenster. Ein Rosen-gitter reichte bis auf den Boden. "Er ist geflohen..." Lucy verließ das Zimmer. Penelope und Ben waren zu ihnen hinauf gekommen. Lucy berichtete ihnen von Schlanges verschwinden. Ben erstarrte. "Aber, wie ist das möglich?", fragte Penelope. "Ich weiß nicht. Papa hat nur merkwürdiges Zeug geredet. Wie zum Beispiel er war nie krank. Dann hat er das Fenster geöffnet und gesagt Schlange sei geflohen." Ben gab Penelope einen kleinen Kuss auf die Wange und murmelte: " Ich muss meinem Bruder jetzt helfen. Es scheint, als sei unser größter Feind wieder da..." Größter Feind? Warum hat Papa nie etwas davon erzählt?  "Hey, Lucy. Hast du Hunger?", riss Penelope sie aus ihren Gedanken. "Wie bitte?" Lucy hatte sie gar nicht beachtet. "Wollen wir etwas essen?", wiederholte Penelope ihre Frage. Lucy nickte und folgte Penelope zurück in die Empfangshalle. Dort bogen sie ab und folgten den Schildern in die Kantine. Lucy lief dass Wasser im Mund zusammen, als sie das ganze Essen sah, das nebeneinander lag und nur darauf wartete gegessen zu werden. Erst jetzt bemerkte Lucy wie hungrig sie eigentlich war. Seit sie Fuchs zum ersten Mal begegnet war kreisten ihre Gedanken um etwas anderes. Das essen hatte sie dabei total vergessen. Penelope reichte ihr ein Tablett. "Was möchtest du, Kleine?", fragte eine rundliche Frau in weißer Schürze. "Ich nehme die Nudelsuppe.", erwiderte Lucy. Die Frau nahm sich einen Teller und schöpfte die Suppe hinein, dann schob übergab sie ihn Lucy und wandte sich Penelope zu. "Ich such uns schon mal einen Platz!", schlug Lucy vor, als sie sie zum Gehen wandte. Penelope nickte und nahm ihren Teller mit dampfendem Auflauf entgegen. Lucy näherte sich einem Tisch neben der Fensterwand. Sie wollte ihr Tablett gerade abstellen als eine tiefe Stimme ihr von hinten ihr Ohr zischte:"Diese Kantine ist nur für Angestellte, also sag mir lieber schnell, was du hier zu suchen hast."Lucy zuckte zusammen, wobei ein Teil ihrer Suppe über den Tellerrand schwappte. Sie drehte sich langsam um und schaute in die eisblauen Augen eines schwarzhaarigen Mannes. Es war vielleicht drei Köpfe größer als Fuchs und so muskelbepackt, dass es schon fast unheimlich war. "Sie gehört zu mir, Jerry. Ich habe sie eingeladen mit mir zu essen, also lass sie in Frieden!" Noch nie war Lucy so froh gewesen Penelopes Stimme zu hören. Jerry sah sie bloß entnervt an und zog ab. "Setzt dich", bot Penelope Lucy an und lächelte. Lucy stellte ihr Tablett ab und ließ sich auf einen der Stühle fallen. Sie nahm ihren von der verschütteten Suppe nassen Löffel und begann zu essen. "Wer war dass eben?", fragte sie zögerlich. Penelope starrte in ihren Teller. "Jerry. Er ist Oberarzt.", entgegnete Penelope knapp. "Soweit war ich auch schon", murmelte Lucy. Penelope legte ihr Gabel hin und sah Lucy fest in die Augen. "Er ist mein Ex-Freund - und er würde nicht einmal vor Mord zurückschrecken um mich wieder zu bekommen. "