Das wundersame Leben von

 

Fuchs und Schlange

 

Kapitel 1

 

Es war eine sternenklare Nacht. Lucy schloss die Augen, in der Hoffnung so die unheimliche Gestalt, welche vor ihrem Haus lauerte, zu vergessen, doch leider half es nicht. Sie war, wie eigentlich immer, wenn ihr Onkel Ben nicht da war, ganz allein in der riesigen Villa ihrer verstorbenen Eltern. Es klingelte. Lucy zuckte zusammen und war fest entschlossen nicht zu öffnen, doch ihr Körper bewegte sich unweigerlich auf das große Portal zu. Sie öffnete die Tür, doch niemand stand davor. „Hallo?“, fragte sie in die Nacht hinein, doch nur das Rauschen des Windes in den Blättern der Apfelbäume antwortete. Sie wollte die Tür gerade wieder zuschlagen, als sich ein groß gewachsener, fuchsähnlicher Mann aus dem Schatten eines Baumes schälte. Er kam Lucy seltsam bekannt vor. „Was kann ich für Sie tun?“, fragte sie so höflich wie möglich, um den Fremden nicht zu verärgern. Der Mann lächelte sie geheimnisvoll an, und aus irgendwelchen seltsamen Gründen, fasste sie sofort Vertrauen. „Kommt ganz darauf an, wozu du bereit wärst…“ Lucy war verwirrt. „Ich verstehe Sie nicht ganz.“ „Ich habe dich gefragt, was du für mich tun würdest.“ Lucy spürte, dass der Mann mit einem Auftrag verbunden war, der nichts für schwache Nerven war. „Ich wäre bereit das zu tun, was in meiner Macht steht. – und das natürlich auch nur solange es im Rahmen der Gesetze liegt.“ Der Mann bekam einen leichten Panikanfall. „Lucy!“, rief er, „das wozu ich dich brauche, ist mehr als in deiner Macht steht, es liegt nicht im Rahmen der Gesetze! Ich weiß, dass es unmöglich ist, Schlange hat es mir schon oft genug gesagt, aber ich muss es einfach weiter versuchen!“ Lucy wich ein Stück zurück. „Beruhigen Sie sich erst einmal. Wozu brauchen Sie mich? Wer ist Schlange?“ Der Mann atmete tief ein, dann war er wieder der Alte. „Du hast Recht. Ich bin der Leiter einer Geheimorganisation, die sich auf Zeitreisen spezialisiert hat. Unser Projekt wurde zwar schon vor 10 Jahren eingestellt, aber mein Partner Schlange und ich, wir geben nicht auf und forschen weiter.“ „Aber wozu brauchen Sie dann mich?“ „Ich kann nicht ohne dich arbeiten. Die 10 Jahre blieben ohne Erfolg, und nur du kannst mir helfen!“ Lucy wurde schwindelig und sie musste sich am Türrahmen festkrallen. „Verzeihen Sie, aber ich verstehe es nicht.“ Sie bemühte sich, ihre Stimme ruhig zu halten. „Ist alles in Ordnung, Lucy?“, fragte der Fremde. Lucys Fingerknöchel wurden weiß, so sehr fest umklammerte sie den Türrahmen aus alter Eiche. Sie begann zu zittern. „N-nein, ich meine ja… Alles in Ordnung. So was passiert öfter.“ Der Mann wirkte besorgt. Die Welt verschwamm vor Lucys Augen. „Kommen Sie doch herein. Ich glaube es wird bald regnen.“ Ihre Stimme bebte. „Es ist keine Wolke am Himmel zu sehen! Wir bringen dich jetzt ins Krankenhaus.“ Sind wirklich keine Wolken am Himmel? fragte Lucy sich, dann wurde ihr schwarz vor Augen. Ihre Hände ließen den Türrahmen los und sie fiel in eine unendliche Leere.

 

 

 

Jede Woche kommt ein neues Kapitel.

Isabell Tyrtyschnij 7e