Mathilda
Sie saß einfach nur da. Alleine auf der alten Parkbank, deren Bretter, von der Zeit gezeichnet,
löchrig und morsch geworden waren. Oben drauf wuchs eine dünne Moosschicht. Lange hatte
hier keiner mehr gesessen. Doch nun war sie da, wie erstarrt. Der Wind zerrte an ihren
Kleidern, doch sie bewegte sich nicht. Auch nicht, als der Regen ihr heftig ins Gesicht schlug
und ihre kleinen, steifen Beine, die nackt auf der Bank lagen, benetzte. Dreckig klebte das
Kleid an ihrem kindlichen Körper. Ein langer Riss zog sich quer über den dünnen Stoff.
Ein Schuh fehlte, doch sie schien es nicht zu bemerken. Ihre bernsteinfarbenen Augen starrten
leblos ins Leere. Die kleine rosa Schleife in ihrem Haar löste sich und wurde vom Wind
mitgerissen, doch ihr rundes Porzellangesicht mit der süßen Stupsnase regte sich nicht.
Eine Hand war zu einer festen Faust geballt. Nur der Daumen war abgespreizt. Der Mund war
leicht geöffnet. Doch sah man keinen Dampf in der kalten Luft aufsteigen. Sie atmete nicht.
Wie denn auch?
Schritte näherten sich. Das dumpfe, schwere Klacken eines Herrenschuhs wurden von einem
aufgeregten Tippeln begleitet. Der Schein einer Taschenlampe erhellte die Bank. „Mathilda!“,
schluchzte eine Mädchenstimme. Eine kleine, warme Kinderhand zog das erstarrte Bündel
von der Bank unter einen Schirm, und zwei Arme pressten es fest an die Brust. „Ich hab doch
gesagt, sie ist noch da“, sagte eine tiefe Stimme.
„Mathilda, Mathilda! Ich bin so froh!“

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